Ab den 1980er Jahren bis letztmalig 1994 fand in Bad Wiessee die Flüssiggas-Montgolfiade statt, aus der sich schließlich 2001 die Tegernseer Tal Montgolfiade entwickelte. Zum 20. Jubiläum blicken wir auf die Geschichte zurück.

 

Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte hat sich die Tegernseer Tal Montgolfiade zu einer der werbewirksamsten und für das Image förderlichsten Veranstaltungen für das Tegernseer Tal entwickelt. Erfreulich ist insbesondere, dass ein attraktiver Veranstaltungshöhepunkt in der Nebensaison geschaffen wurde, der sich auch anhand der Übernachtungszahlen positiv entwickelt hat. Anknüpfend an die Tradition der Flüssiggas-Montgolfiade in Bad Wiessee wurde im Jahr 2000 das Konzept der Tegernseer Tal Montgolfiade entwickelt. Im gleichen Jahr erfolgte die Anschaffung des ersten, eigenen Tegernseer Tal Heißluftballons. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe 2001 waren auf dem Gelände am Sonnenbichl in Bad Wiessee bereits über 20 Heißluftballone und „Special Shapes“ am Start. Seitdem hat sich die Montgolfiade und auch deren Beliebtheit ständig weiterentwickelt. Nachdem sie zwei Jahre an der Seepromenade Bad Wiessee und auf der Oswaldwiese in Rottach-Egern stattfand, zog die Montgolfiade von 2005 bis 2012 auf das Gelände rund um das Jod-Schwefelbad und die Wandelhalle in Bad Wiessee. Zur Montgolfiade im Jahr 2008 wurde der zweite Tegernseer Tal  Heißluftballon mit dem blau-weißen Schriftzug und gelben Hintergrund eingeweiht. Im Jahr 2013 befand sich unter den 32 Teams erstmalig ein Luftschiff, das bis zu zwei Passagiere mitnehmen konnte. Im Anschluss daran wurde 2015 am Tegernsee im Rahmen der Montgolfiade erstmals die Deutsche Meisterschaft der Heißluftschiffe ausgetragen. Im Jahr 2016 folgte die Europameisterschaft und 2018 lieferten sich die Heißluftschiffe sogar bei der Weltmeisterschaft am Tegernsee ihren Wettkampf. Ein weiterer Höhepunkt erwartete die Besucher im Jahr 2017: Ein neuer Heißluftballon mit dem Logo „DER TEGERNSEE“ wurde feierlich getauft. In Spitzenzeiten der Veranstaltung gingen bis zu 50 Ballonteams an den Start und rund 10.000 Zuschauer verfolgten das Spektakel am Himmel vom Boden aus. Zum Jubiläum der 20. Tegernseer Tal Montgolfiade werden in diesem Jahr 25 Heißluftballone und ein Luftschiff von der Seepromenade in Bad Wiessee gen Winterhimmel schweben, außerdem präsentieren neun Teams ihre Modellballone. Mit dieser Größenordnung der Montgolfiade sind die vorhandenen Platz- und Raumkapazitäten optimal zu handhaben, so Peter Rie (TTT) aus der Erfahrung der vergangenen 20 Jahre.

 

Die Ballonfahrt und der Tegernsee – Geschichte

 

So um das Jahr 1900 begann die große Zeit der Luftschifffahrt mit der noblen Berufsbezeichnung „Aviatiker“, getragen von Wogen einer allgemeinen Technikbegeisterung im Deutschen Reich – denn wenn man bei der Aufteilung der Kolonien schon zu kurz gekommen war, wollte man sich wenigstens einen angemessenen Platz im Luftozean sichern. Die Tegernseer Heimatzeitung „Seegeist“ begleitete mit besonderer Aufmerksamkeit eine Diskussion in den Vereinigten Staaten, „Wem gehört die Luft?“, und meinte im Herbst 1909 (vielleicht in einem Anflug von Satire), Juristen könnten ihre Unentbehrlichkeit erneut demonstrieren, indem sie die „Rechts- und Zuständigkeitsverhältnisse im großen Meer der Lüfte endgültig klären“. In Amerika sei es so, dass der Grundeigentümer auch der Besitzer der Luft über seinem Grundstück sei. „Er ist also in der Lage, jedermann, der über sein Grundstück ohne Erlaubnis fliegt, wegen unbefugten Betretens zu verklagen“. Dass staatsterritoriale Überflugrechte einmal Bestandteile des Völkerrechtes werden sollten, war vor hundert Jahren wirklich nicht zu ahnen.

 

In Tegernsee, an der Auffahrt zur Hochfeldstraße, erbaute sich der Direktor der Augsburger Ballonfabrik, Hans Scherle, nach der Jahrhundertwende eine Villa und stellte eine steinerne Doppelbüste der Gebrüder Montgolfier in seinen Garten. Wenn die steinernen Brüder im Juni 1909 über den See geblickt hätten, wären sie Zeugen folgender dramatischer Szenen geworden: Von Westen näherte sich ein bemannter Ballon „Moenus“, gefüllt mit neunhundert Kubikmetern Gas, der durch aufkommende Sturmböen nicht auf dem „Rottach Feld“ landen und über den Wallberg hinweg gehoben wurde und erst in der Weissen Valepp in den Bäumen hängenblieb. Die Insassen, zwei Frankfurter Bankiers, Eugen Wertheimer und Julius Han, die einfach mal die Tegernseer Berge von oben sehen wollten, blieben unverletzt und zeigten sich gegenüber den Hilfsmannschaften überaus generös und gewährten dem „Seegeist“ ein Interview, aus dem hervorging, dass man sich 18 Stunden lang in der Luft befunden habe und das in Höhen um fast 3000 Meter. Für Zivilisten war dies zweifellos eine aero-sportive Leistung (ohne Thermoanzüge).

 

Der Tegernseer Theaterdirektor Michael Dengg wollte daraufhin für sein Theaterensemble, das in einem Kölner Theater gastierte, die Heimreise per Luftschiff bei der Zeppelinfabrik Friedrichshafen buchen. Graf Zeppelin jun. antwortete: „Im Besitz Ihres Werten teilen wir Ihnen mit, dass eine Überführung von 26 Personen im Luftschiff von Köln bis Tegernsee vor 1910 nicht möglich ist. Die Fahrtkosten würden sich auf insgesamt etwa 13.000 Mark belaufen“. Zum Vergleich, ein Handwerker hatte damals einen Tagesverdienst von 4 Mark, eine Kuh kostete 40 Mark.

 

Der „Seegeist“ berichtete akribisch über jeden Flug der Starrluftschiffe und verriet den Lesern sogar, nach welchen Naturgesetzen sich ein Zeppelin im Schwebeflug vor dem deutschen Kaiser auf dem Berliner Tempelhoffeld verneigen konnte: Die Passagiere begeben sich geschlossen in den vorderen Teil der Gondelkabine, das Luftschiff senkt sich folglich und ehrerbietig mit dem Bug vorwärts. Dann versammeln sich die Fluggäste im rückwärtigen Teil der Kabine, der Zeppelin richtet sich wieder auf, der Bug weist himmelwärts, als müsse er ein „V“ in die Wolken zeichnen, für „Vivat dem Kaiser“ – und entschwebt. Zeppelin-Besuche am Tegernsee sind nicht überliefert, aber dafür findet sich in der Bildersammlung von Hans Halmbacher sen. eine liebevolle montierte Darstellung.